Oktober21
Das Kranke als Quell
literarischen Schaffens
Die Krankheit selbst kann ein Stimulans des Lebens sein, nur muß man gesund genug für dieses Stimulans sein.
Robert Musil: “Der Mann ohne Eigenschaften”
Die folgende Definition des Krankheitsbegriffes soll nicht ein allumfassendes, in Gänze beleuchtendes Ausmaß offenbaren, sondern vielmehr eine Art gedankliche Ouvertüre bieten, die eingangs Facetten liefert, die nachgestellt für das Verständnisgeflecht des Gesamtkontextes mitunter dienlich sein können.
„Das Wort Krankheit, synonym zu Schwäche, Leiden, Not bezeichnet die Störung der normalen Funktion des ganzen Organismus oder eines Organs, sowie der Psyche. …
Krankheit wird oft im Gegensatz zu Gesundheit definiert. Allerdings wurde Gesundheit auch schon als idealer Zustand optimalen Wohlbefindens definiert, und Krankheit ist nicht die einzig mögliche Ursache für mangelhafte Gesundheit. Die Übergänge zwischen „Gesundheit“ und „Krankheit“ sind fließend. Vieles mag letztlich einfach eine Frage der Sichtweise sein. So hat sich der Begriff Befindlichkeitsstörung für Einschränkungen des leiblichen oder seelischen Wohlbefindens ohne objektivierbaren medizinischen Krankheitswert eingebürgert. Andererseits können als krankhaft definierbare Zustände auch ohne subjektiven Leidensdruck vorliegen.
Die normale Funktion ergibt sich aus der Regelhaftigkeit der Lebensvorgänge; in unterschiedlichem Ausmaß beinhaltet sie die Fähigkeit zur Anpassung an veränderte innere und äußere Bedingungen. Ihre Beurteilung durch Menschen weist auch Abhängigkeit von deren Normalvorstellungen auf. Als Funktionsstörung kann Krankheit verschiedene Bereiche lebendigen Seins betreffen und sich in deren Wechselwirkungen entwickeln.“
(www.wikipedia.org/wiki/Krankheit)
Zu Anfang muss als wohlweißich und unverkennbar vorausgesetzt werden, dass historische Schriftsteller wie Friedrich Nietzsche, Franz Kafka oder Marcel Proust immer wieder das Kranke, das Leid und das Absonderliche streiften, es somit zum Fokus ihrer Schriften erkoren. Zweifelsfrei trugen besagte Autoren das Kranke mitunter auch als Teil ihrer Person in sich. Aber auch in der modernen Literatur finden sich Thematisierungen des Kranken, in beiden folgenden Beispielen als Beschreibungen von individuellen Schicksalen der Protagonisten der literarischen Werke. Die beiden ausgewählten Autoren Matt Ruff und Pelle Sandstrak thematisieren das „Kranke“ jeweils auf eigene Weise, obschon beiden offensichtlich immanent ist, ein Krankheitsbild literarisch klar zu fixieren.
So sei es, dass dies hier als Anlass dienen soll, im Zentrum der Betrachtung sogenannte Krankheitsbilder und deren Symptome, Ausmaße und Folgen stehen zu lassen. Ausgangspunkt dieses Fokus ist die schlichte Tatsache, dass Autoren wie die oben genannten menschiche Krankheiten als Stimulans ihres literarischen Schaffens betrachteten oder aber das „Kranke“ in ihnen es verlangt, sie antreibt und zu Schriftstellern werden lässt, die den Kern ihres Schaffens immer wieder in der Offenbarung der Auseinandersetzung ihrer Protagonisten mit sich und der Welt suchen und finden. Im Dickicht aus allerlei Einzelheiten und Eindrücken stilisiert sich das Kranke zum Hauptmerkmal ihrer auf Papier geformter Figuren. In beiden Fällen, also der Faszination an der Sonderbarkeiten von Krankheiten, aber auch im Falle des „Selbst-befallen-Seins“wird oft eines deutlich: Der Mensch ist ein zähes Wesen, welches den seltsamsten und ungewöhnlichsten Verhaltensweisen – Symptomen – ausgesetzt, eines doch nur zu oft beweist: Er meistert sein Leben! Absurd, mitunter mit dem Anschein von Groteskem, Zwängen unterliegend, angestrengt, manchmal leicht, durchdacht, gejagt, getrieben und trickreich. Wie dem auch sei, sogar zum äußersten Aushaltbaren getrieben, gelingt es dem Mensch, so auch in den von mir ausgewählten literarischen Beispielen, ein – trotz aller Plage durch das Kranke – Dasein an den Tag zu legen, welches im Grunde eine affirmative, letztlich positive Art der Lebenslagenmeisterschaft aufzeigt, kurz: Die Protagonisten sind in letzter Instanz meist „besessen vom Leben.“
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